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DFNS e.V.
Aufgaben und Ziele
Struktur des DFNS
Ausblick
                 
Aufgaben und Ziele

Etwa 20% aller Patienten, die in Deutschland wegen Schmerzen eine schmerztherapeutische Spezialeinrichtung aufsuchen, leiden an ungenügend behandelten neuropathischen Schmerzen. Im Verlaufe der Beschwerden suchen diese Patienten über einen Zeitraum von 10 Jahren im Durchschnitt 8 verschiedene Ärzte auf . Eine neue Studie aus den USA ergab, dass selbst unter der Ärztegruppe der Neurologen sich nur 30% in der Lage sahen, neuropathische Schmerzen sicher zu diagnostizieren und nur 20% gaben an, eine adäquate Therapie zu kennen.

Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS), der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, wurde im Jahr 2002 mit dem Ziel gegründet, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Dazu forscht der DFNS in den Bereichen Pathophysiologie, Prävention und Therapie neuropathischer Schmerzen. Die Aufgaben umfassen, die pathophysiologischen Mechanismen bei der Entstehung neuropathischer Schmerzen besser zu verstehen, die Chronifizierung von Schmerzen durch ein frühes Eingreifen zu verhindern und die therapeutischen Möglichkeiten wesentlich zu verbessern.

Alle Projekte des DFNS sind darauf ausgerichtet, den klinisch- wissenschaftlichen Leitgedanken, dass jeder einzelne Schmerzmechanismus eine spezifische Therapie erfordert, in konkrete und zeitnah klinisch anwendbare Ergebnisse umzusetzen. Diese neue Idee wird als „mechanismen-orientierte Therapie“ bezeichnet und ist heutzutage international als bahnbrechende Innovation der Schmerzforschung anerkannt.

Weitere Aufgabe des 
DFNS ist, die in Deutschland vorhandene Expertise in der Patienten- und Grundlagen-orientierten Schmerzforschung auf dem Gebiet des neuropathischen Schmerzes zu bündeln. Der DFNS vereinigt dazu alle wichtigen Institutionen, wissenschaftlichen Autoritäten sowie medizinischen Disziplinen

Zu den Forschungsschwerpunkten und Zielen des DFNS unter dem Leitgedanken einer mechanismen-orientierten Therapie von neuropathischen Schmerzen zählen:

  • Pathophysiologie
  • Primärprävention
  • Sekundärprävention
  • Transfer von Forschung in die klinische Praxis
  • Medizinische Aus- und Weiterbildung
Wichtige Forschungsstrategien und Aufgaben des DFNS sind:
  • Entwicklung einer Datensammlung von Patienten mit unterschiedlichen neuropathischen Schmerzbildern, die genaue quantitative Veränderungen der Hautsensibilität sowie psychologische Hintergründe einschließt.
  • Untersuchung von Mechanismen für die Entstehung und Aufrechterhaltung der verschiedenen neuropathischen Schmerzbilder.
  • Untersuchung neuer und die Auswertung bereits verfügbarer Behandlungsstrategien.






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Förderzeitraum:
2002 - 2012























Struktur des DFNS
Die Struktur des Deutschen Forschungsverbundes neuropathischer Schmerz ist darauf ausgelegt, ein Maximum an Synergismus zwischen allen verfügbaren Grundlagenwissenschaften und klinischen Disziplinen zu ermöglichen. An den Forschungsprojekten des DFNS sind deutschlandweit 15 Haupt-Zentren bzw. Standorte und darüberhinaus weitere, auf dem Gebiet des neuropathischen Schmerzes bedeutende Kliniken und Institute beteiligt. 

Die Projekte der dritten Förderperiode sollen die Verstetigung des Verbundes in Deutschland innerhalb der nächsten drei Jahre ermöglichen und die strategische Koordination weiterer nationaler und internationaler Entwicklungen unterstützen. Ziel ist die Überführung des DFNS in eine dauerhafte, feste Institution in Deutschland, um den Fortschriftt im Verständnis der Pathophysiologie, Prävention und Therapie neuropathischer Schmerzen nachhaltig zu sichern und nach Außen zu tragen. Im Rahmen der ersten Förderperiode und zweiten Förderperiode wurden sowohl integrative als auch spezielle Verbundprojekte durchgeführt.

Das zentrale, integrative Verbundprojekt ist der Aufbau einer Datenbank zu neuropathischem Schmerz, in die alle Netzwerkteilnehmer Patientendaten einpflegen. Die Koordination der Daten erfolgt durch ein zentrales Datenmanagementsystem (ehemals "QUAST", heute "NeuroQUAST", Standort: Bochum). Die Datenbank umfasst genaue quantitative Veränderungen der Hautsensibilität sowie psychologische Hintergründe von Patienten mit unterschiedlichen neuropathischen Schmerzbildern. Darüber hinaus bietet sie den Zugang zu Patienten, die in speziellen Verbundprojekten ausführlicher untersucht werden können. In diesem Rahmen haben sich drei themenspezifische Untergruppen formiert.

Integrative Verbundprojekte:
  • Datensammlung neuropathischer Schmerz 
  • Primärprävention neuropathischer Schmerzen
  • Sekundärprävention neuropathischer Schmerzen 
  • Blut- und DNA-Bank
  • Validierung der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) als klinischem Instrument zur Untersuchung neurobiologischer Mechanismen bei neuropathischem Schmerz
  • Qualitätsmanagement-Zentrum
  • Organisation und Koordination klinischer Studien
  • Netzwerkzentrale und Adminstration
Spezielle Verbundprojekte:
  • Pathophysiologische Mechanismen nach Kompression, Degeneration und Regeneration peripherer Nerven
  • Zentrale Integration der Schmerzverarbeitung 
  • Physiologische und psychologische Einflüsse auf die kortikale Reorganisation: Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) 
Die einzelnen Projekte basieren ganz wesentlich auf einer bundesweit einheitlich durchzuführenden Untersuchung und Rekrutierung von Patienten mit neuropathischen Schmerzen. Die zentrale Geschäftsstelle des DFNS sichert dabei die Koordination der einzelnen Netzwerkprojekte sowie den Daten- und Informationstransfer innerhalb des Verbundes. 

Struktur des DFNS
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standardisierte Untersuchungsabläufe
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bildgebende Analysen
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Ausblick
Durch die Integration von Grundlagenwissenschaft, klinischer Forschung und Therapiestudien wird der DFNS das Verständnis der Entstehungsmechanismen neuropathischer Schmerzen wesentlich weiterentwickeln und die Therapieoptionen dieser schweren chronischen Schmerzzustände erheblich verbessern. Das Ziel ist, die Entwicklung von chronischen neuropathischen Schmerzen durch ein frühes Eingreifen zu verhindern oder bereits chronifizierte Schmerzen durch eine differenzierte Kombination verschiedener Behandlungsstrategien zu beheben. Da die am DFNS beteiligten Zentren über ganz Deutschland verteilt sind, wird ein problemloser Transfer der neuen Erkenntnisse in die klinische Praxis der Ärzteschaft im gesamten Land garantiert. 
Neuropathischer Schmerz
Nach der Definition der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP) spricht man von neuropathischem Schmerz, wenn eine Läsion oder Dysfunktion des zentralen oder peripheren Nervensystems die Ursache der Schmerzen darstellt. Umgangssprachlich werden neuropathische Schmerzen auch als "Nervenschmerzen" bezeichnet. Neuropathische Schmerzen sind meist chronisch. Patienten, die an neuropathischen Schmerzen leiden, weisen eine charakteristisch veränderte Sensibilität auf. Diese äußert sich häufig in brennenden Spontanschmerzen und einschießenden Schmerzattacken. Generell können sowohl negative sensorische Phänomene (sensible Ausfälle) als auch positive (Missempfindungen, z.B. Parästhesie, oder Überempfindlichkeit auf Reize, z.B. Allodynie) entstehen.

In Deutschland leiden etwa 6 Prozent der Bevölkerung an neuropathischen Schmerzen, das entspricht knapp 5 Millionen Menschen. Circa 20 Prozent aller Patienten, die wegen Schmerzen eine schmerztherapeutische Spezialeinrichtung aufsuchen, leiden unter ungenügend therapierten neuropathischen Schmerzen. Studien belegen, dass etwa ein Fünftel aller Patienten die operiert wurden, langanhaltend, zum Teil lebenslang unter Nervenschmerzen leiden. Dabei können diese Schmerzen nach einem „leichten“ Eingriff genauso chronifizieren wie nach einem „schweren“.

Zu  den neuropathischen Schmerzen zählen z.B. Phantomschmerzen. 60 Prozent aller Menschen, denen Gliedmaßen amputiert wurden, sind davon betroffen. Neben den unerträglichen Schmerzen müssen sie zusätzlich mit dem Unverständnis ihrer Umgebung zurechtkommen: „Wie kann denn ein Bein schmerzen, das gar nicht mehr da ist?“. Weitere Ursachen neuropathischer Schmerzen sind beispielsweise Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Rückenmarksverletzungen, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, virale Erkrankungen wie die Gürtelrose, Alkoholmissbrauch oder Chemotherapie.

Im Verlauf der Beschwerden suchen Patienten mit neuropathischen Schmerzen über einen Zeitraum von zehn Jahren im Durchschnitt acht verschiedene Ärzte auf und sind während dieser Zeit für 72 Tage stationär im Krankenhaus untergebracht. Eine neue Erhebung aus den USA ergab, dass sich unter den Neurologen nur 30 Prozent in der Lage sahen, neuropathische Schmerzen sicher zu diagnostizieren. Nur 20 Prozent kannten eine adäquate Therapie.

Beteiligte Fachdisziplinen
  • Neurologie
  • Anästhesie
  • Psychologie
  • Pharmakologie
  • Physiologie
  • Nuklearmedizin
  • Neuroradiologie
  • Neurochirurgie
  • Allgemeinmedizin
  • Interdisziplinäre Schmerzambulanzen

 Mechanismen-orientierte Therapie
Für eine gute Therapie ist eine korrekte Klassifikation des neuropathischen Schmerzsyndroms unerläßlich. Bislang basierte die Klassifikation ausschließlich auf der verursachenden Grunderkrankung.

Einen entscheidenden Wandel der Sichtweise hat hier folgende Erkenntnis eingeleitet: Einerseits geben viele Patienten ganz unabhängig von ihrer Grunderkrankung exakt identische Schmerzformen an, z.B. brennende Dauerschmerzen oder Schmerzen bei leichter Berührung der Haut (Allodynie), andererseits können sie jedoch auch bei gleicher Erkrankung ganz unterschiedliche Symptome zeigen.

Dementsprechend ist es sinnvoller, sich bei der Behandlung nicht auf die Grunderkrankung zu konzentrieren, sondern jede einzelne Schmerzform und damit jeden einzelnen Schmerzmechanismus isoliert mit geeigneten Medikamenten anzugehen. Diese neue Idee wird als „mechanismen-orientierte Therapie“ bezeichnet und ist heutzutage international als bahnbrechende Innovation der Schmerzforschung anerkannt. Viele der im Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz beteiligten Wissenschaftler haben maßgeblichen Anteil an der Entwicklung dieses Konzeptes.

mechanismen-orientierte Therapie (zur Vollansicht bitte auf das Bild klicken)
Patientengeschichte "Neuropathischer Schmerz"
Therapie der Gegenwart - Therapie der Zukunft

 
Entwicklung einer Postzosterischen Neuralgie
(Chronische Schmerzen nach Gürtelrose)

Eine 67jährige Rentnerin erkrankt akut an heftigen Schmerzen im Bereich der rechten Brustkorbhälfte. Zunächst werden Verspannungen in der Wirbelsäule vermutet. Zwei Tage später entwickelt sich ein streifenförmiger Hautausschlag mit vielen geröteten Bläschen im schmerzhaften Areal. Die Haut ist extrem empfindlich gegenüber jeder nur leichten Berührung. Die Schmerzen haben einen brennenden, reißenden Charakter und sind so intensiv, dass der Nachtschlaf deutlich gestört ist. Eine akute Gürtelrose wird diagnostiziert.

Die sofortige Therapie mit Schmerztabletten und Medikamenten gegen diese Viruserkrankung bewirkt eine rasche Abheilung der Hautbläschen, die Schmerzen sind allerdings nur wenig gelindert. Nach sechs Monaten sind die Hauterscheinungen komplett vernarbt. Trotzdem klagt die Patientin weiterhin über heftige brennende Schmerzen sowie einschießende Schmerzattacken, die über Monate anhalten. Auch die Berührungsempfindlichkeit hat sich kaum geändert, so dass sogar leichte Berührungsreize an der gesamten rechten Brustkorbhälfte die Schmerzen verstärken können. Eine chronische postzosterische Neuralgie hat sich entwickelt.


Die Therapie der Gegenwart
Verschiedene Schmerzmittel, von denen bekannt ist, dass sie unspezifisch, unabhängig von der Schmerzursache das Schmerzsystem modulieren und dadurch Schmerzen lindern, werden bei der Patientin erprobt. Einige erbringen eine gewisse Schmerzerleichterung, eine Schmerzfreiheit wird aber nicht erzielt. Insbesondere der Berührungsschmerz wird überhaupt nicht beeinflusst. Häufig stellen sich Nebenwirkungen ein, insbesondere Müdigkeit und Schwindel, die eine weitere Dosiserhöhung der Schmerzmittel unmöglich machen.

Die Therapie der Zukunft
Neue Medikamente werden entwickelt, die spezifisch gegen einen jeden Schmerzmechanismus wirken. Die bei der Patientin vorherrschenden Schmerztypen werden genau analysiert:
  1. Ständiger Brennschmerz
  2. Einschießende Schmerzattacken 
  3. Heftiger Berührungsschmerz
Gegen jeden dieser Schmerztypen wird ein spezielles hoch spezifisches Medikament verabreicht. Aufgrund dieser ursachen- und mechanismen-orientierten Therapie kann die Intensität alle Schmerztypen deutlich gesenkt werden, die Patientin wird nahezu schmerzfrei.






Der DFNS forscht an der genauen Analyse der einzelnen Schmerztypen (zur Vollansicht bitte auf das jeweilige Bild klicken)
Chronischer Schmerz
Daten und Fakten

Laut einer aktuellen europäischen Schmerzstudie (Pain in Europe Survey) leiden etwa 17% der deutschen Bevölkerung an chronischen Schmerzen, das entspricht knapp 14 Millionen Betroffenen. Bei 600.000 bis 800.000 dieser Patienten liegt ein schwer zu therapierendes Schmerzsyndrom vor: Der Schmerz hat sich verselbständigt und ist zu einer eigenständigen Krankheit, der Schmerzkrankheit, geworden.

Nach einer weitverbreiteten Definition spricht man von chronischem Schmerz, wenn er länger als sechs Monate andauert oder immer wiederkehrt. Eine 1997 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführte Untersuchung in acht Metropolen der Erde ergab, dass 30 Prozent aller Patienten, die eine Allgemeinarztpraxis aufgesucht hatten, im zurückliegenden Jahr mindestens sechs Monate lang an Schmerzen gelitten hatten. Chronischer Schmerz ist also eine Volkskrankheit.

Trotzdem ist die Versorgung eines erheblichen Teils der Betroffenen bis heute nicht optimal. Schmerzen beeinträchtigen oft ganz erheblich
das Verrichten alltäglicher Dinge wie waschen, anziehen, sitzen oder stehen. Zum Teil kann der Beruf nicht mehr ausgeübt werden, aber auch Freizeitbeschäftigungen, Partnerschaften oder Freundschaften werden vernachlässigt. Die Folgen sind Isolation, Resignation, Verlust der Lebensfreude und Depression. Viele Betroffene begehen aus Verzweiflung Selbstmord: Mindestens 17 Prozent aller geklärten Selbstmorde wurden aufgrund chronischer Schmerzen verübt.

Neben diesen enormen psychosozialen Folgen für den Einzelnen, verursacht der chronische Schmerz auch enorme Kosten für das Gesundheitssystem. Die Krankenkassen schlagen Alarm: Die Kosten für medizinische Leistungen und Arbeitsausfälle sowie Frühberentungen sind zu einem volkswirtschaftlichen Faktor geworden, der sich in kaum zu überblickenden Milliardensummen bewegt. Häufiger Arztwechsel, falsche Diagnosen sowie unzureichend wirksame Therapien mit wiederholten, langen Krankenhausaufenthalten und unnötigen Operationen tragen zur Erhöhung dieser Kosten bei. Allein schmerzbedingte Arbeitsausfälle verursachen schätzungsweise Kosten von rund 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Die meisten Patienten mit chronischen Schmerzen werden in allgemeinärztlichen, internistischen und orthopädischen Praxen versorgt. Für die Mehrzahl der Betroffenen mag diese Behandlung ausreichend sein. Doch die 600.000 bis 800.000 Menschen mit schwer therapierbaren Schmerzen benötigen eine interdisziplinäre Behandlung an spezialisierten Schmerzzentren in Krankenhäusern und Praxen. Davon existieren zur Zeit
in Deutschland aber nur etwa 400. Und diese können nach Einschätzungen von Experten den Bedarf lediglich zu einem Bruchteil decken.

Von den klinischen Krankheitsbildern, die sich bei chronischen Schmerzpatienten zeigen, sind Kopf- und Rückenschmerzen
die häufigsten. An dritter Stelle stehen neuropathische Schmerzen, die damit auch eine gesundheitspolitische Relevanz haben.